Leuchtschrift

Cultural Fit – Recruiting Buzzword oder Schlüssel zum Erfolg?

In einem unserer Grundlagen-Artikel zum Thema Employer Branding haben wir die Basics der Arbeitgebermarkenbildung vorgestellt. Hier ging es um den Kern jeder Arbeitgebermarke: das Nutzenversprechen des Arbeitgebers oder EVP (Employer Value Proposition). Dieses beinhaltet immer auch den Aspekt „Kultur“, sprich: Cultural Fit: Wie ticken wir? Wer passt zu uns? Welche Werte sind uns im Unternehmen wichtig? Wie essenziell dieses Thema sowohl für Unternehmen, Personaler und auch Jobsuchende ist, warum Cultural Fit an Fahrt gewinnt und welche Vorteile sich für Bewerber und Unternehmen ergeben, beleuchten wir in unserem heutigen Blogbeitrag.

Cultural Fit, Bewerbung, jobs

Quelle: https://pixabay.com/de/photos/luftballon-h%C3%A4nde-beziehung-mensch-3147674/

Cultural Fit – Hire for attitude

Bevor wir ins Thema einsteigen, kurz eine Definition:

Cultural Fit (CF) ist ein Begriff aus der Personalpsychologie. Er beschreibt die wichtigsten Übereinstimmungsmerkmale von Bewerbern und Unternehmen in Bezug auf Wertevorstellung, soziale Kompetenzen und Verhaltensweisen (Softskills). Der Gegenspieler von CF ist Professional Fit (PF), der die Hardskills – also das fachliche Know-how – überprüft.

Grundsätzlich ist Cultural Fit nicht nur eindimensional auf den Blick des Arbeitgebers gerichtet. Vielmehr wird auch das Prüfen des Bewerbers, inwiefern ein potenzieller Arbeitgeber zu einem selbst passt, darunter subsumiert. Eine 100%-ige Deckungsgleichheit gibt es wahrscheinlich nie und wird auch gar nicht angestrebt. Aber ein hoher Grad an Übereinstimmung ist ein gutes Indiz für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.

Cultural Fit, Werte

New Generation, New Work, New Values

Warum ist Cultural Fit heute so wichtig geworden? Der War of Talents ist leider kein kurzes Intermezzo. Der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften wird sich in den nächsten Jahren weiter verschärfen. So belegen beispielsweise aktuelle Zensus Zahlen, dass allein die deutsche Bevölkerung bis 2060 um 10-15% abnehmen wird.

Neben dem demografischen Wandel und den technologischen Entwicklungen steht der Arbeitgeber vor allem einem veränderten Werteverständnis der neuen Workforce gegenüber. Denn mit dem Eintritt der Generation Y und Z in den Arbeitsmarkt verschieben sich zunehmend Erwartungen, Werte, Präferenzen und Arbeitsweisen zukünftiger Mitarbeiter.

Während die Generation Babyboomer noch Eigenheim und Luxuslimousinen als Statussymbol anstreben, stehen bei der Generation Y und Z eher Anerkennung und Selbstverwirklichung im Fokus. Sie suchen nach einer selbstbestimmten, sinnstiftenden Arbeit, die zu ihrem Lebensstil und zu ihrer Lebenseinstellung passt.

Laut einer Glassdoor Umfrage geben rund 80% der Jobsuchenden einem Unternehmen keine Chance, wenn die Unternehmenskultur nicht zur eigenen Wertevorstellung passt. Kultur und Werte werden wichtiger als große Titel und Cash!

Cultural Fit, Flutlicht Team

Vorteile eines Cultural Fit Checks:

Damit liegen die Vorteile eines Cultural Matches für Unternehmen und Jobsuchende auf der Hand:

  • Höhere Attraktivität und schnellere Besetzung der Stelle
  • Schnelleres Onboarding und Einleben in den Arbeitsalltag
  • Höhere Mitarbeitermotivation
  • Know-how-Bindung und Innovationskraft
  • Geringere Fluktuation
  • Höhere Loyalität und stärkeres Engagement
  • Gewinn von Markenbotschaftern / Imageträgern
  • Geringere Recruiting-Ressourcen /-kosten
Cultural Fit, Team

Quelle: https://unsplash.com/photos/PGnqT0rXWLs

Speziell für Bewerber:

  • Geringerer Zeitaufwand für die Bewerbungsphase
  • Bessere Orientierung
  • Geringeres Risiko eines Mismatches
  • Kein Karriereknick /-stau durch viele Arbeitsplatzwechsel

Perfektes Match oder Mismatch?

Die klassischen Personalverfahren, um die Passgenauigkeit eines Bewerbers zu eruieren, sind heute immer noch

Hier können die gegenseitigen Wertevorstellungen und Verhaltensweisen detailliert ab- und hinterfragt werden.

Cultural Fit, Match, Mismatch

Quelle: https://pixabay.com/de/photos/salzstreuer-pfefferstreuer-eier-1091143/

Folgende Fragen bieten sich beispielsweise für ein Abklopfen des Cultural Matches an:

  • Was für ein Arbeitsumfeld brauchst du, damit du möglichst produktiv und glücklich arbeiten kannst?
  • Wie definierst du beruflichen Erfolg?
  • Welche Unternehmenskultur hat dich am stärksten positiv / negativ beeinflusst?
  • Was macht für dich gute Teamarbeit aus? (Falls diese Arbeitsform für dein Unternehmen von großer Bedeutung ist)
  • Mit welcher Art von Menschen arbeitest du am liebsten zusammen?
  • Wie wichtig sind dir Freundschaften am Arbeitsplatz?
  • Welche Art von Feedback wünschst du dir in deiner Position?
  • Welche Prinzipien sind dir im Beruf und im Alltag besonders wichtig?
  • Wie wichtig ist dir Nachhaltigkeit?

Data Driven Recruiting

Um den Cultural Fit valide beurteilen zu können (und nicht allein das subjektive Bauchgefühl des Recruiters entscheiden zu lassen), sind softwarebasierte Talent Matching Programme immer mehr im Kommen.

So findet man heute in KMUs vermehrt firmenindividuelle Fragebögen zum Cultural Fit auf den unternehmenseigenen Homepages. Sie dienen meist dazu, dem Bewerber (m/w/d) in der Kennenlernphase eine Orientierung zu geben und ihn anschließend – bei einem hohen Grad der Übereinstimmung – zu einer Bewerbung zu ermutigen.

Beispiel: Uvex Cultural Fit Check

Cultural Fit, Beispiel Uvex

Quelle: https://www.uvex-group.com/de/karriere/cultural-fit-check-einstiegsseite/

Aber auch umfassende Job Matching Plattformen wie Birdiematch oder Cyquest erobern den Markt. Diese gleichen nicht nur die Persönlichkeitsmerkmale und das Wissen (PF) ab, sondern auch die Interessen und kognitiven Fähigkeiten des Bewerbers. So wird vor dem ersten Face-to-Face-Interview schon mal vollautomatisch die Passgenauigkeit „auf Herz und Nieren“ überprüft.

Cultural Fit als Schlüssel zum Erfolg?!

Wer im Wettbewerb um Talente gut aufgestellt sein möchte, passt seine Jobprofile, Arbeitsumgebungen und vor allem auch sein Kommunikationsverhalten den unterschiedlichen Vorstellungen und Lebensmodellen der neuen Arbeitsgenerationen an.

Es zählt: Dialog statt Monolog. Mut und Authentizität statt Filter und Heimlichtuerei…und sicher auch eine Portion „mehr“ an Arbeit für den Employer Brand Manager. 🙂

 

Auch interessant:

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Leitfaden Karriereseite

Mission & Culture Umfrage von Glassdoor

Fünf Generationen – Kurzbeschreibung der Gen Babyboomer – Gen Alpha: wuv.de – Ausgabe November 2019

Warum der Cultural Fit unbezahlbar ist von wuv.de

Cutural-Fit-Studie von metahr

Arbeitsmarktstudie von Wollmilchsau

Stepstone Infografik Cultural-fit

 

Nachschlagewerke:

Perspektivenwechsel im Employer Branding  von Gero Hesse und Roland Mattmüller

War of talents von Matthias Busold

Unternehmenskultur: Erkennen – Entwickeln – Verändern von Sonja Sackmann

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