Leuchtschrift

Blendle – die neue Art des Zeitunglesens?

Immer mehr Zeitungen und Zeitschriften versuchen ihre Rückgänge bei Printauflagen durch Einnahmen aus Online-Angeboten zu kompensieren, doch die Paywall-Erfolgsstories sind bislang rar. Das niederländische Start-up Blendle will nun ab Mitte des Jahres mit einem vermeintlich revolutionären Bezahlmodell auch Verlagen in Deutschland helfen, digital weiter Zukunft Fuß zu fassen.

Newsstand. Hand drawn press kiosk. vector illustration.

Zwar zeigen die aktuellen Zahlen des IVW für das Quartal 1/2015, dass die Auflagenrückgänge der deutschen Zeitschriften und Zeitungen geringer sind als im vergangenen Jahr, trotzdem verbuchen diese nach wie vor ein Minus, für das die Verlage in Zukunft Alternativen finden müssen. Hierzu existieren bereits unterschiedliche Modelle zur Veröffentlichung von digitalem Content, mit ebenso vielfältigen Bezahlschranken:
So etwa das vom Handelsblatt genutzte Freemium Modell, bei dem ein Teil der Artikel kostenfrei bleibt und der Rest des Online-Angebots nur nach Erwerb eines Tagespasses oder Abos zugänglich ist. Das sogenannte Metered Model, wie bei der Süddeutschen Zeitung, haben Leser monatlich freien Zugang zu maximal 20 Artikeln. Ist dieses Kontingent genutzt, müssen sie bis zum nächsten Monat warten oder ein Abo abschließen. Bei der Rhein-Zeitung ist beispielsweise das komplette Online-Angebot in Form einer harten Bezahlschranke nur kostenpflichtig verfügbar. Ein Blick auf die Besucherzahlen des Online-Angebots der Rhein-Zeitung verrät, dass Leser vor Bezahlschranken oft aber erst einmal zurückschrecken. Fraglich bleibt, wie man den Leser dazu bringt, auch im Internet für gute Inhalte Geld zu bezahlen?

3d newsstand smartphone

Diese klassischen Paywall-Optionen sind nur eine Möglichkeit, neue Umsatzkanäle zu finden und immer neue Bezahlmodelle drängen auf den Markt. So plant das niederländische Start-up „Blendle“, seinen Online-Zeitungskiosk im Spätsommer 2015 auch in Deutschland zu eröffnen.
Das innovative Konzept von Blendle sieht folgendermaßen aus: Verlage stellen ihre Artikel auf der Plattform ein, Nutzer melden sich an und überweisen ein Guthaben. Daraufhin kann in den verfügbaren Artikeln geblättert werden und je nach Interesse können einzelne Artikel auch gekauft werden. Den Preis pro Artikel legen die Verlage individuell fest. Blendle kümmert sich um die Registrierung und die Zahlungsabwicklung. Der Vorteil: Leser haben Zugang zu allen Zeitungen und Zeitschriften, ohne ein Abo abschließen zu müssen und bezahlen nur für Artikel, die auch gefallen. Gefällt ein Artikel nicht, so kann das Geld zurückverlangt werden. Weiterhin knüpft der Online-Zeitungskiosk am Gedanken sozialer Netzwerke an. Nutzer können sehen, welche Artikel von anderen Lesern gekauft wurden oder welche von ihren Freunden oder Meinungsführern geteilt wurden.

Altpapiertonne

Bereits 37 Zeitungen und Zeitschriften haben sich an der Blendle Beta beteiligt, darunter „Spiegel“, „Zeit“, „Stern“ oder die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Durch die einfache Abwicklung bei Zahlung und der zusätzlichen Möglichkeit noch einen Rückzieher machen zu können, könnte das Blendle-Modell auch in Deutschland funktionieren. Vor allem, wenn man bedenkt, dass laut einer Umfrage der BITKOM die Zahlungsbereitschaft für digitalen Content durchaus vorhanden ist, wenn die Inhalte benutzerfreundlich aufbereitet sind, nicht zu teuer und einfach abzurechnen sind. Also genau die Leistung, die Blendle seinen Nutzern verspricht und mit der der Online-Kiosk in den Niederlanden bereits erfolgreich ist.

Doch wie lange werden deutschen Zeitungsleser überhaupt bereit sein für digitalen Content zu bezahlen? In Deutschland passieren Dinge gern oft einmal später als im Vorreiter-Markt USA. So erklären dort Medien wie der Toronto Star oder der San Francisco Chronicle das Experiment Paywall bereits für gescheitert. Auch fraglich ist welchen Einfluss Facebook Instant Articles auf die Entwicklung der Paywall haben wird. Macht Facebook die Paywall vielleicht sogar völlig überflüssig?

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