Leuchtschrift

Flexibler Arbeitsplatz: Wenn der Postmann, das Handy und der PC „klingelt“

Unsere Arbeitswelt wird mobiler. Die Fangemeinde der digitalen Nomaden wächst rasant mit den technischen Möglichkeiten. Und auch die Berufseinsteiger der GenY wünschen sich mehr Flexibilität, bei der Arbeitszeiten und -räume noch besser auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind.

Businessman working at beach

Unternehmen – meist große Konzerne – passen sich diesem Wandel langsam an, dagegen tun sich kleine und mittlere Unternehmen – aber auch Agenturen –  damit oftmals noch schwer.
Wie sieht die Situation bei Flutlicht aus? Sabine Sienel, Senior Beraterin, und Andrea Gantikow, Managing Partner von Flutlicht, berichten über Chancen und Herausforderungen von flexiblen Arbeitsstrukturen…

Wie sind die Arbeitsplatz- und Arbeitszeitstrukturen bei Flutlicht organisiert?
Andrea: Erstmal ziemlich klassisch. Wir setzen auf eine Kernarbeitszeit (9:00 – 18:00 Uhr) in der wir sicherstellen, dass unsere Kunden und Partner immer einen Ansprechpartner antreffen und unsere Büros besetzt sind. Daneben gibt es aber noch viele unterschiedliche Modelle. Diese sind teils saisonabhängig, wie unsere Sommerzeitregelung, bei der rotierend Kollegen bereits um 7.00 Uhr starten, sodass man den Nachmittag beispielweise noch am See verbringen kann. Zudem versuchen wir Arbeitsplätze und -zeiten den jeweiligen Lebens- und Kundensituationen anzupassen. Wer einen USA-Confcall am Abend hat, verschwindet schon mal nachmittags ins Gym. Spontane Home Einsätze, wenn der Klempner erwartet wird, sind bei allen Flutlichtern gängig. Dazu kommen auch dauerhafte Teilzeit- und Home Office Regelungen sowie konstante „Mobile Worker“ Arbeitsplatzreglungen für Kollegen, die ihren Lebensmittelpunkt nicht mehr an unsere Firmen-Standorte koppeln können.

Sabine, Du arbeitest seit vielen Jahren für Flutlicht. Seit wann wurdest Du zum „Mobile Worker“?
Sabine: Vor zehn Jahren lebte und arbeitete ich noch Nürnberg. Mit dem Umzug nach Berlin suchten Flutlicht und ich nach einer vorteilhaften Arbeitsplatzlösung für beide Seiten. Inzwischen arbeite ich schwerpunktmäßig aus Berlin. Alle zwei bis drei Wochen bin ich bei meinen Kollegen im Nürnberger oder Münchener Office.

Wie schwer oder leicht ist Dir die Umstellung von einer festen Homebase hin zu einem Mobilen Arbeitsplatz gefallen?
Sabine: Eher leicht. Was ich erst mal als ungewöhnlich empfunden habe, ist die Tatsache, dass ich die Kollegen nicht mehr so viel physisch um mich habe. Zum einen vermisst man die Kollegen, die Gespräche am Mittagstisch und den Flurfunk. Zum anderen funktioniert die tägliche Abstimmung anders. Man nutzt Skype, Mail, Web-Meeting und Video-Conferencing Tools oder Telefon anstatt schnell ins Nebenzimmer zu huschen. Dabei muss man allerdings aufpassen, dass dies nicht in einer Messaging Flut endet.

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Was sind die wichtigsten Voraussetzungen aus Eurer Sicht, damit eine Pendellösung für alle Seiten funktioniert?
Andrea: Die Technik und das Know-how des Mitarbeiters müssen passen. Mobile Worker brauchen ein voll funktionsfähiges Mobile Office, bestehend aus schnellem Notebook, einem Smartphone, Collaboration Tools und Lösungen für einen sicheren Datenverkehr. Zudem sollten die Kollegen auch fachlich und organisatorisch die Reife haben, sprich über einen „Beginner Status“ hinaus sein.
Sabine: Aus meiner Sicht ist die wichtigste Grundvoraussetzung, dass beide Seiten der Pendellösung mit einer positiven Grundhaltung begegnen und sich auf diese „Situation“ einlassen. Zudem halte ich Flexibilität für essenziell. Seitens des Mobile Workers in punkto Reisebereitschaft für wichtige Termine und Teambesprechungen. Und seitens der Kollegen hinsichtlich alternativer Abstimmungs- und Kommunikationsoptionen über die physische Anwesenheit hinaus.

Gibt es Dinge, von denen man sich verabschieden bzw. loslassen muss?
Sabine: Das einzige, wovon man sich tatsächlich verabschieden muss, ist die soziale Komponente der Agenturgemeinschaft, die man einfach nicht mehr jeden Tag erleben kann. Umso mehr freue ich mich dann auf die Tage, die ich in der Agentur verbringe, auf gemeinsame Veranstaltungen oder Messen und natürlich auf den jährlichen Agenturausflug.

Was sind für Euch die wichtigsten Vorteile aus diesem Modell?
Sabine: Für mich persönlich ist der wichtigste Vorteil aus diesem Modell, dass ich mein Privatleben und den Job unter einen Hut bringen kann. Eine Wochenendbeziehung wäre für mich keine Alternative. Zudem hat man im Home Office manchmal mehr Ruhe als in den Agenturräumen, was sich vor allem bei Arbeiten auszahlt, die besondere Konzentration erfordern, wie Konzeptionen oder Texterstellungen.
Andrea: Ein Ortswechsel stellt für beide Seiten nun keinen automatischen Kündigungsgrund mehr da. Wenn Kompetenz, Verlässlichkeit, Produktivität und Freude am Job passen, gewinnt bzw. hält man motivierte Mobile Worker im Team.

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Sabine, Pendler wie Du müssen noch genauer ihre Zeit planen und mit Extremsituationen wie hohem Geräuschpegel und Verspätungen etc. fertig werden. Wie gehst Du mit dem Stress um?
Sabine: Ich halte mich grundsätzlich für verhältnismäßig Stress-resistent, deshalb stressen mich auch Planung und Reisen nicht wirklich. Meinen Arbeitsalltag muss ich ohnehin planen, und relativ viel reisen muss ich sowieso – unabhängig davon, wo ich arbeite. Aber Reisezeit bedeutet für mich immer, auch unterwegs online zu sein sowie Mails zu checken oder im Flieger auch einmal einen Text zu bearbeiten. Ich kann dabei mein Umfeld ganz gut ausblenden. Für diejenigen, die geregelte Abläufe und wenig Ablenkung zum Arbeiten benötigen, ist so ein Modell eher weniger geeignet.

Wenn Du in die Wunschkiste greifen könntest, was für eine technische Neuerung wäre deiner Meinung nach sinnvoll oder was könnte Flutlicht als Arbeitgeber tun um Dein Mobile Worker-Leben noch zu verbessern?
Sabine: Ganz klar, Beamen! Spaß beiseite – ich finde mein Mobile Worker Leben perfekt und Flutlicht tut bereits alles, damit ich nicht nur in Nürnberg, sondern auch in meinem Berliner Home Office glücklich bin.

Andrea, mit der Mobility in der Arbeitswelt – wohin geht deiner Meinung nach die Reise?
Andrea: Flexibilität und Schnelligkeit sind in unserem Business absolute Erfolgsfaktoren. Ob das aber die Homeoffice Arbeitsplätze in die Höhe treibt, ist recht fraglich. Laut Statistischem Bundesamt sind die Nutzungszahlen rückläufig.
Egal, ob in- oder außerhalb der Offices gilt es Job, Familie und Freunde gut zu verbinden. Daran müssen wir weiter arbeiten. Und das geht am besten unter dem Motto: „Work smart, not hard ;)“

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