Leuchtschrift

Nachholbedarf: IT im Gesundheitswesen

Das Gesundheitswesen ist mit rund fünf Millionen Beschäftigten nicht nur einer der größten Wirtschaftszweige in Deutschland, sondern auch eines der am heißesten diskutierten innenpolitischen Themen. Gesundheit betrifft jeden, ist komplex und kostenintensiv.

Wie in vielen anderen Gesellschaftsbereichen spielt die Informationstechnologie hier mittlerweile eine wichtige Rolle. Dennoch gibt es akuten Nachholbedarf: veraltete Hardware, unausgereifte Applikationen, mangelnd Konnektivität der Systeme sind vielerorts Alltag. Dies überrascht, denn eigentlich bietet sich das Gesundheitswesen an, um zukunftsweisende Technologien frühzeitig einzusetzen und so die Qualität der Patientenbehandlung zu verbessern, Abläufe zu optimieren und Kosten zu senken. Tatsächlich hinkt die Branche aber Jahre hinterher. Zwar erfassen in Deutschland etwa 75% aller niedergelassenen oder in Krankenhäusern tätigen Ärzte digitale Patientendaten, aber lediglich 25% stellen diese aufgrund mangelnder Vernetzung hinterher zur Verfügung. Eine aktuelle Studie des Beratungshauses Accenture stellt dem Einsatz von IT in deutschen Gesundheitseinrichtungen ein schlechtes Urteil aus: Computersysteme sind oft veraltet und man konzentriert sich zumeist auf Anwendungen zur Praxis- bzw. Klinkverwaltung anstatt auf fortschrittliche Patienten- oder Klinikmanagementsysteme, die einen Austausch von Gesundheitsinformationen ermöglichen.

 

Quelle: Intel

Quelle: Intel

 

Zweifelsfrei liegt die Zukunft zur Optimierung und Restrukturierung des Gesundheitswesens im intelligenten Einsatz moderner IT. Dabei lässt sich häufig auf Technologien zurückgreifen, die sich in anderen Sektoren längst bewährt haben. Auf der Hand liegt etwa die weitreichende Implementierung mobiler Systeme. Pflegepersonal und Ärzte legen täglich mehrere Kilometer an Weg zurück – mit Notebooks oder Tablet-Computern haben sie am Krankenbett direkt Zugriff auf alle relevanten Patientendaten. Dies spart Zeit, Geld und erhöht gleichzeitig die Qualität der Patientenversorgung. Idealerweise lassen sich frische Diagnosedaten umgehen via WLAN an den Krankenhausserver weiterleiten, so dass und diese sofort allen anderen Abteilungen zur Verfügung stehen, die mit der Betreuung des Patienten betraut sind. Technologien wie die Desktop Virtualisierung ordnen jedem Mitarbeiter im Krankenhaus einen virtuellen Arbeitsplatz auf dem Server zu. Somit kann dieser von überall und von unterschiedlichen Endgeräten aus jederzeit problemlos auf seinen individuellen Arbeitsplatz zugreifen. Ein derartiges System hat die Berliner Charité mit mehr als 1.700 eingebundenen Clients erfolgreich umgesetzt.

 

Quelle: Charité Berlin

Quelle: Charité Berlin

 

Für die nahe Zukunft stehen Themen wie der Aufbau Privater Cloud-Infrastrukturen oder die effiziente Einbindung von Smartphones und entsprechender Apps auf der Tagesordnung.

Sensibelster Punkt bei der ganzen Diskussion um den Einsatz von Technologie und verbesserter Vernetzung im Gesundheitswesen ist die Sicherheit. Patientendaten müssen absolut sicher vor dem unbefugten Zugriff Dritter sein. Vorhandene Security Anwendungen wie Verschlüsselungstechnologien, Authentifizierungsverfahren etc. bieten hier guten Schutz, aber 100% kann niemand gewährleisten. Gerade die extremen Datenschutzbedenken hierzulande und die vielen Beteiligten auf dem Gesundheitsmarkt stellen eine gewaltige Modernisierungshürde dar. Von einem vernetzten Gesundheitswesen ist Deutschland deshalb noch meilenweit entfernt.

Mit dem flächendeckenden Einzug von Breitbandverbindungen in die deutschen Haushalte und Unternehmen verändern sich jedoch die Rahmenbedingungen stetig, der Druck auf die Entscheider im Gesundheitssektor wächst und bis 2015 erwarten Experten eine neue Innovationswelle in diesem Sektor. Eine Entwicklung, die wir vor allem aus Patientensicht absolut unterstützen!

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