Leuchtschrift

London 2012 – die Social Media Spiele

Zugegeben, es hat diesmal etwas gedauert, bis man in Olympia Stimmung gekommen ist. Aber spätestens nach der bombastischen Eröffnungsfeier hat es einen dann doch gepackt, das Olympia Fieber. Und mit der Omnipräsenz in allen Medien, konnte man sich dem Sportspektakel ohnehin nicht wirklich entziehen.

 

Und nun ist der ganze Rummel schon wieder vorbei. Es bleibt der Blick zurück. Aber an dieser Stelle wollen wir nicht das eher durchwachsene Abschneiden der deutschen Athleten bewerten, sondern einen ganz anderen Aspekt beleuchten: es waren die allerersten Spiele, die ganz unter dem Zeichen von Social Media standen! In Peking 2008 zählte Facebook gerade einmal 100 Millionen User – nun sind es fast eine Milliarde, Twitter kam auf 6 Millionen Nutzer, derzeit sind es mehr als 140 Millionen. Den Sportlern bot sich diesmal somit die Möglichkeit, sich eng wie nie zuvor mit den Fans zu vernetzen. Die deutschen Olympioniken erwiesen sich hierbei allerdings schon im Vorfeld als Internet Muffel. Weniger als die Hälfte besaßen eine eigene Homepage und noch weit weniger hatten einen Facebook oder Twitter Account. In manchen Sportarten hatte nicht einmal ein einziger Teilnehmer des deutschen Teams einen Twitter Account vorzuweisen, so etwa im Gewichtheben, Fünfkampf, Ringen, Bogenschießen oder Reiten.

 

 

Das überrascht in Zeiten, wo Sportförderung immer knapper wird und Athleten auf Sponsoren angewiesen sind. Den eigenen Marktwert steigert man natürlich erst einmal über entsprechende sportliche Leistung, zu einem sehr großen Teil aber auch, wenn man die Klaviatur der eigenen Vermarktung und Präsenz in allen Kanälen und Medien entsprechend zu spielen vermag. Wie es geht macht einer vor, der zu den Superstars der Spiele gehörte: US-Schwimmer Michael Phelps versammelt eine Schar von mehr als 5 Millionen Facebook Jüngern! Nach seinem enttäuschenden vierten Platz über 400 Meter Lagen gratulierte er zudem ganz fair Sieger Ryan Lochte via Twitter. Medaille verloren, Sympathien gewonnen.

Was sich im Social Web so tat wurde von den Medien begierig aufgegriffen. Sportportale wie Eurosport gaben täglich die Twitter Highlights bekannt und Skandale gab es auch. So wurde der britische Turmspringer Tom Daley via Twitter böse beschimpft, nachdem er im Teamspringen die ersehnte Medaille verpasst hatte. Der Twitter Account des Schuldigen wurde daraufhin folgerichtig erst einmal gesperrt.

 

 

Nicht zu unterschätzen auch die Werbewirksamkeit, die Sportler via Social Media für ihre Sponsoren erzielten. Showman und dreifacher Olympiasieger Usain Bolt etwa tweetete ein Foto seines Kühlschranks gefüllt mit Trinkflaschen seines Geldgebers Gatorade an seine 650.000 Follower. Dinge, die Sponsoren mittlerweile voraussetzen. Dies bestätigte während der Spiele auch ein Vertreter der Sportvermarktungsagentur Creative Artists Agency. Unternehmen wollen sofort den Social Media Footprint eines Sportlers wissen und wie viele Follower er auf welchen Plattformen hat.

Globale und multimediale Profis wie Bolt, Phelps, Tennisqueen Maria Sharapova oder Basketballer Kobe Bryant haben längst erkannt, dass sich ihr Marktwert durch Social Media vervielfachen lässt. Da ist es dann auch erst einmal nebensächlich, ob sie am Ende auch Gold gewannen. Die Deutschen haben die ersten Social Media Games etwas verschlafen, aber vielleicht korrigieren sie dies in Rio 2014 wieder – ebenso wie die magere Ausbeute an Goldmedaillen. 🙂

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