TL;DR: Frauen sind in der medialen Berichterstattung weniger sichtbar als Männer. Seltener kommen sie als Expertinnen in Beiträgen zu Wort oder sind sie auf Podien vertreten. Dadurch fehlen wichtige Perspektiven in öffentlichen Debatten. Netzwerke und Medienbeziehungen können dies ändern und dafür sorgen, dass Frauen sichtbarer werden. Durch ein gezieltes Medientraining für Frauen bereiten wir diese darauf vor, mit Medienvertreter*innen zu sprechen und ihre Botschaften zu platzieren. Den Auftakt machte unsere eigene Flutlicht Veranstaltung beim Nürnberg Digital Festival 2026.
Wer regelmäßig Nachrichten liest, Talkshows schaut oder Branchenveranstaltungen besucht, bekommt schnell den Eindruck: Die Expert*innen dieser Welt sind überwiegend männlich. Das liegt allerdings nicht daran, dass Frauen weniger Wissen, Erfahrung oder Führungsverantwortung mitbringen. Das Problem ist deren mangelnde Sichtbarkeit. Frauen sind in vielen Schlüsselpositionen nach wie vor unterrepräsentiert:
- Der Anteil weiblicher Führungskräfte in Deutschland liegt bei ca. 30 Prozent – und stagniert damit seit 2012.
- Auf Top-Ebene ist der Anteil noch geringer: Nur rund 20 Prozent der Vorstandsmitglieder deutscher Unternehmen sind weiblich.
- Nur 20 Prozent der Gründer*innen sind weiblich.
- An Hochschulen sind nur etwa 30 Prozent der Professuren mit Frauen besetzt.
Diese Schieflage setzt sich in der medialen Berichterstattung fort:
- Weniger als ein Viertel der Expertenstimmen in Beiträgen stammen von Frauen.
- Frauen werden weniger zitiert, sie sind weniger in Talkshows zu Gast oder kommen seltener in Hintergrund- oder Nachrichtenberichten als Expertinnen zu Wort, obwohl gerade der öffentlich-rechtliche Rundfunk gemäß Medienstaatsvertrag die Aufgabe hat, gesellschaftliche Vielfalt abzubilden. Nach wie vor erklären Männer die Welt.
- Ein ähnliches Bild zeichnet sich mit Blick auf Panel-Diskussionen, Speakerships und ähnliche Formate: Nur etwa 31 Prozent der bezahlten öffentlichen Redner*innen sind weiblich.
INHALT
Frauen werden unbequemere Fragen gestellt
Eine weitere Beobachtung ist, dass Frauen in Interviews andere Fragen gestellt werden.
- Deutlich häufiger als Männer sollen sie beantworten, wie sie ihre (erfolgreiche) Karriere mit ihrer familiären Situation vereinbaren.
- Die Grenze, private Themen zu adressieren ist viel durchlässiger, als es bei männlichen Gesprächspartnern der Fall ist.
Ein ähnliches Bild zeichnet sich in der Sportberichterstattung:
- Im Fokus stehen nicht selten die familiäre Situation, private Hobbies – und alles was sonst so „abseits des Spielfeldrandes“ interessant sein könnte.
- Das zugehörige Bildmaterial zeigt Frauen oft stark sexualisiert. Erst im Juni 2026 hat die Europäische Rundfunkunion (European Broadcast Union/EBU) ihren Mitgliedern, darunter ARD und ZDF, neue Richtlinien aufgetragen. Demnach sind Kamerawinkel und Positionen, die unnötige Nahaufnahmen intimer Körperteile zeigen oder Brust, Rücken und Gesäß aus niedrigen Winkeln filmen, nicht mehr erlaubt. Auch Zeitlupenwiederholungen ohne sportlichen Mehrwert sind nicht mehr zulässig.
Kompetenz hat kein Geschlecht
Öffentliche Debatten werden immer wieder aus denselben – überwiegend männlichen – Perspektiven geführt. In Fachbereichen wie Wirtschaft, Technik oder Medizin kommen Frauen als Expertinnen deutlich seltener zu Wort, obwohl sie dort längst Verantwortung übernehmen, Unternehmen führen, forschen oder Innovationen vorantreiben. Dadurch fehlen nicht nur weibliche Erfahrungsberichte, sondern auch andere Blickwinkel auf Herausforderungen, Risiken und Lösungsansätze.
Das hat konkrete Folgen:
- Wer gehört wird, prägt den öffentlichen Diskurs, setzt Botschaften und beeinflusst politische sowie wirtschaftliche Entscheidungen.
- Wenn bestimmte Perspektiven dauerhaft unterrepräsentiert sind, entstehen blinde Flecken: Produkte und Dienstleistungen werden an den Bedürfnissen eines Teils der Bevölkerung vorbeientwickelt, Forschung berücksichtigt nicht alle Lebensrealitäten und politische Entscheidungen spiegeln die Vielfalt der Gesellschaft nur unzureichend wider.
- Gleichzeitig werden bestehende Rollenbilder immer wieder bestätigt. Wenn in den Medien vor allem Männer als Experten, Entscheider und Vordenker sichtbar sind, kann unbewusst der Eindruck entstehen, Kompetenz habe ein Geschlecht. Bestehende Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern werden durch mediale Berichterstattung somit nicht abgebaut, sondern verfestigt. Der Gender Visibility Gap ist deshalb weit mehr als ein Kommunikationsproblem: Er ist ein gesellschaftliches Problem, das diese Ungleichheiten zementiert, anstatt sie abzubauen.
Weshalb Sichtbarkeit und Netzwerke so wichtig sind
Fakt ist:
- Wer sichtbar ist verfügt meist über ein gut gepflegtes Netzwerk und die richtigen Kontakte in andere Unternehmen, Verbände und auch in die Medien hinein.
- Wer Journalist*innen kennt oder bereits als Expert*in „auf dem Radar“ ist, wird häufiger angerufen, wenn ein Statement, ein Interview oder ein O-Ton gebraucht wird. Genau deshalb sind Mediennetzwerke so wichtig. Sie schaffen Aufmerksamkeit für die eigene Marke oder das Unternehmen, stärken Glaubwürdigkeit und Vertrauen und helfen dabei, sich als echte Vordenker*in zu positionieren. Vor allem aber ermöglichen sie eigene Themen und Perspektiven in die öffentliche Diskussion einzubringen. Solange überwiegend „männliche“ Stimmen gehört werden, bleibt die Debatte einseitig.
Medientraining speziell für Frauen!
Um das zu verändern, müssen Hürden abgebaut werden. Viele Frauen, die im Joballtag mit spannenden Themen zu tun haben, sind unsicher, ob diese tatsächlich für andere relevant und interessant sind. Deshalb trauen sich viele nicht, mit Pressevertreter*innen oder auf Podien zu sprechen – obwohl sie Expertinnen auf ihrem Gebiet sind. Diese Bedenken und Hemmungen abzubauen, haben wir uns gemeinsam mit unserer Partneragentur With zur Aufgabe gemacht: In einem speziellen Medientraining für Frauen zeigen wir, wie man Media Relations aufbaut, die eigene Story entwickelt und Kernaussagen platziert. Außerdem bereiten wir Frauen auf Interviews und schwierige Fragen von Journalist*innen vor. Denn nur wer in den Medien sichtbar ist und seine Botschaften unterbringt, schafft Aufmerksamkeit für seine Perspektiven.
Flutlicht Premiere beim Nürnberg Digital Festival
Zum Kick-off des Medientrainings für Frauen war Flutlicht erstmals mit einer eigenen Veranstaltung beim Nürnberg Digital Festival 2026 dabei. 16 Teilnehmerinnen mit verschiedenen beruflichen Hintergründen informierten sich im Rahmen eines zweistündigen Workshops über folgende Themen:
- Wie sieht die deutsche Medienlandschaft aus und wie denken Medienvertreter*innen?
- Wie lassen sich Botschaften wirksam vermitteln?
- Wie beantwortet man (sensible) Interviewfragen souverän – und setzt dabei Körperhaltung, Stimme und Ausstrahlung effektiv ein?
Über die Autorin
Alice Speck, Senior Communications Manager bei Flutlicht, begleitet verschiedene Tech-Kunden dabei, ihre Themen zielgruppengerecht und wirkungsvoll zu kommunizieren. Ihr Schwerpunkt liegt auf strategischer Kommunikations- und PR-Beratung sowie der Entwicklung von Content, der selbst komplexe technische Themen verständlich und greifbar macht. Alice ist mitverantwortlich, das Thema „Diversity“ intern wie extern voranzutreiben – unter anderem als Sprecherin für das „Flutlicht Women Media Training“, ein spezielles Medientraining für Frauen.
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