Leuchtschrift

Warum 1984 im Jahr 2013 aktueller ist denn je

Wie Zeiten sich ändern. Spione trugen früher dunkle Anzüge, Sonnenbrillen, waren in harten Spezialausbildungsprogrammen durchtrainiert und schlürften Martinis – geschüttelt, nicht gerührt… Und heute? Heute sind es blasse Computergeeks mit dicker Hornbrille und schütterem Haar, die keinerlei Erfahrung in fernöstlicher Nahkampftechnik aufweisen können. Dafür aber sind sie mit Bits & Bytes groß geworden, treiben sich in Foren wie Reddit und 4chan herum und haben die Freiheit der Information und den Schutz der Privatsphäre zu ihrem Mantra erhoben.

Flutlicht Snowdwn Titel

Tatsächlich sind derzeit rund 1,4 Millionen Amerikaner in sicherheitsrelevanten Positionen im Schattenreich der Geheimdienste beschäftigt. Nun ist es nicht die Regel, dass sie Aktivisten wie WikiLeaks Gründer Assange oder Medien kontaktieren, um geheimes Wissen an die Öffentlichkeit zu tragen. Sie riskieren nicht einen gut bezahlten Job und ihre persönliche Freiheit. Und doch gibt es sie – die Edward Joseph Snowdens oder Bradley Mannings. Und mit diesen „Märtyrern“ im Rücken ist davon auszugehen, dass weitere folgen werden.

Über die Einzelschicksale hinaus stellen sie die grundsätzliche Frage, was höher zu bewerten ist: Transparenz und Privatsphäre oder rechtfertigt die Prävention vor potenziellen Bedrohungen Einschränkungen persönlicher Freiheiten und massive Überwachung?

Snowden und Manning sind der Überzeugung, dass die Öffentlichkeit ein Recht darauf hat zu erfahren, wie weit staatliche Überwachung geht. Nur wenn die Informationen auf dem Tisch liegen, kann die Öffentlichkeit eine fundierte Entscheidung treffen ob sie das Vorgehen billigt oder nicht.

Wem gehört die Information also in letzter Konsequenz? Dem Staat, der etwa im Fall von Prism das Programm durch Präsident und Kongress gebilligt hat, oder jedem Einzelnen?

Anonymous Plakat

Der Kampf um Freiheit, Offenheit, gegen Restriktionen im Internet brennt schärfer denn je, heißen die Protagonisten nun Anyonymus oder Snowden. Hacker versammeln sich seit den 90ern unter dem Mantel höherer ethischer Ziele wie der Sicherung uneingeschränkter online Freiheit. Die publik gewordenen NSA Programme brandmarken sie als grundgesetzwidrig.

Allerdings spiegelt die Meinung der Tech Gemeinde nicht die Mehrheit der US Bürger wieder. So sind nur 43% der Ansicht Prism und Co sollte zurückgefahren werden. Zu groß die Furcht vor Terror. In Europa sieht man das US Vorgehen kritischer, so forderte Kanzlerin Merkel beim Obama Staatsbesuch letzte Woche „Verhältnismäßigkeit“, um einen Aufschrei nationaler Datenschützer vorneweg einzudämmen. Einigkeit besteht aber darin, dass neue Technologien „neue“ staatliche Reaktionen verlangen.

Und so stehen wir erst am Anfang eines langen Konflikts: wie viel Reglementierung im Internet ist notwendig, wie viel ist überhaupt möglich; wann ist der Schutz nationaler Interessen höher einzuschätzen als der Schutz der Privatsphäre.

George Orwell, 1984

Bemerkenswert: in den USA stürmte ein 64Jahre alter Klassiker unvermutet in die Buch-Bestsellerlisten: George Orwells 1984.

 

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