Leuchtschrift

Troll Dich! Community Management in einer Online-Redaktion

Wie schon für einige Flutlichter zuvor, stand auch für mich als Bestandteil meines Traineeships ein Wechsel auf „die andere Seite“ auf dem Plan: Eine Woche lang durfte ich hautnah die Arbeit in einer Online-Redaktion begleiten. Obwohl ich bei Flutlicht täglich Kontakt zu Journalisten habe, offenbarte mir der Austausch neue und spannende Einsichten.

Quelle: Courtesy Warner Bros.

Quelle: Courtesy Warner Bros.

Die Woche  gestaltete sich ebenso kurzweilig wie facettenreich. So habe ich Videoredakteure zu einem Interview mit einer Forscherin begleitet, die die positive neuronale Wirkung des Spielens von Super Mario erforscht, durfte eigene Newsmeldungen schreiben und habe gemeinsam mit dem für Open Source Themen zuständigen Redakteur Details zu einer medizinischen App recherchiert. Interessant auch der Ausflug in die Zahlenwelt – von der Key Account Managerin bekam ich Insights, wie sich Onlinejournalismus finanziert.

Besonders interessant: der klar vordefinierte Aufbau verschiedener Textarten von kurzen News über Hardware-Tests bis zu Reportagen. Die Texte unterliegen klaren stilistischen Regeln, die für die Redakteure jederzeit über das Intranet einsehbar sind. Das Feedback auf die produzierten Artikel im Rahmen der Redaktionskonferenz oder im persönlichen Gespräch ist somit offen und manchmal schmerzhaft – weitestgehend aber objektiv, denn es gelten nachvollziehbare Richtlinien.

Bis zu dieser Stelle gleichen sich Feedbackkultur in Redaktion und Agentur, denn auch bei Flutlicht existiert für die verschiedene Textformen ein vordefinierter Regelkatalog. In der Online-Redaktion ist die interne Korrekturschleife jedoch nur der halbe Teil der Resonanz, die ein Redakteur auf seinen Artikel zu erwarten hat. Denn nach der Veröffentlichung des Artikels folgt das Feedback der Community.

So war es spannend mitzuerleben, wie Redakteure nach einer morgendlichen Veröffentlichung ihres Artikels den Rest des Tages damit zubrachten, auf die vielen User-Kommentare zu reagieren, Fragen aus den Foren zu beantworten oder den Artikel nach Anmerkungen aus der Community zu aktualisieren. Das Feedback der Community kann sehr produktiv sein, aber auch vernichtend oder ungerechtfertigt kritisch ausfallen. Die Redakteure brauchen dafür zuweilen ein dickes Fell, stehen den Kommentaren aber absolut positiv gegenüber. Häufige Meinung dazu: „meist sehr fruchtbar“, auch wenn in den Anmerkungen der Leser die objektivierten und von der Redaktion definierten Textregeln außer Kraft treten und durch subjektive Meinungsäußerungen ersetzt werden. Deren Schonungslosigkeit wird durch die Anonymität zusätzlich beflügelt. Gerade dieser Austausch und die stetig präsente Vision eines dialogzentrierten Mediums sind wesentlicher Baustein für den Erfolg einer Onlineredaktion und grenzen deutlich zu klassischen Printmedien ab.

Allerdings besteht die Gefahr, dass Einzelne die Grenzen des guten Geschmacks überschreiten. An dieser Stelle kommt dem Community-Management eine Schlüsselrolle zu. Die Moderation der Kommentare erfordert ein hohes Maß an Sensibilität. Keinesfalls darf bei der Betreuung der Foren der Eindruck von Zensur entstehen, denn die Freiheit der Meinungsäußerung des Einzelnen wird als höchstes Gut geschätzt. Leider senkt die Anonymität die Hemmschwelle für rassistische, sexistische oder beleidigende Kommentare, die natürlich nicht hingenommen werden können. Hier kommt ein Maßnahmenkatalog zum Einsatz, der von Verwarnung bis hin zum dauerhaften Bann von Usern reicht. Für unproduktive, aber nicht grob beleidigende Kommentare hat die Redaktion spezielle Unterforen eingerichtet, in denen nach Belieben getrollt werden darf. Diese Meinungen sind für jeden einsehbar, behindern dann aber nicht mehr die produktive und themenfokussierte Diskussion. Eine meines Erachtens geschickte Lösung, um den Dialog nicht zu bremsen und dabei Zensur zu vermeiden.

Und mein Fazit nach einer Woche? Austausch und Kommunikation sind elementarer Bestandteil der digitalen Kultur und erweitern den Horizont, egal ob in Foren oder zwischen Journalisten und PR-Agenturen. Die Woche hat riesen Spass gemacht!

Marcel Moneke, PR Assistent bei Flutlicht

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